Freunde stalken, Events teilen, Gruppenchats und lustige Katzenvideos zu einem zu hohen Preis: Wenden sich User nach den jüngsten Datenskandalen nun endgültig von Facebook ab? Lohnt sich die Plattform für Unternehmen nach wie vor als Werbeplattform? Die Antwort lautet “ja, mehr denn je”…

2003 entwickelte Marc Zuckerberg, damals Student der Psychologie und Informatik an der Harvard University, die Vorgängerwebsite des heutigen Facebook unter dem Namen facemash.com. Bei facemash.com handelte es sich um ein umstrittenes und kurzlebiges Format, da es die Möglichkeit zur Bewertung des Aussehens von Studentinnen bot, deren Bilder Zuckerberg ohne Erlaubnis ins Netz gestellt hatte. Im Frühjahr 2004 ging Facebook mit einem Vorläufer seiner heutigen Form ans Netz. Der Name leitet sich von der US-amerikanischen Tradition des Jahrbuches ab, das an Hochschulen verteilt wird, Bilder der Schüler in den einzelnen Jahrgängen enthält und umgangssprachlich als Facebook bezeichnet wird. Facebook bietet seither nicht nur Privatpersonen die Möglichkeit, sich untereinander über Freundesanfragen zu vernetzen, sondern liefert auch Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens die Möglichkeit, eine Follower Gemeinde systematisch mit relevanten Inhalten zu bespielen. Inzwischen ist das Unternehmen Facebook Inc. zu einer milliardenschweren Aktiengesellschaft geworden und das soziale Netzwerk selbst zählt nach wie vor zu den meistbesuchtesten Webseiten der Welt. Nach eigenen Angaben konnte Facebook im 2. Quartal von 2018 weltweit rund 2,23 Milliarden aktive Mitglieder verzeichnen.

2018: Ein skandalträchtiges Jahr für Facebook

Seit seiner Gründung gerät Facebook immer wieder für seine mangelhafte Datenschutzpolitik in Kritik. Im Frühjahr 2018 wurde das volle Ausmaß des Datenskandals deutlich, von dem rund 87 Millionen Nutzer betroffen waren, deren Daten der Firma Cambridge Analytica zugänglich gemacht wurden, um sie 2016 für den Wahlkampf Donald Trumps zu nutzen. Auch in Deutschland waren schätzungsweise 310.000 Profile von dem Missbrauch betroffen. Im Herbst folgte der nächste Skandal, bei dem über 50 Millionen User über eine Sicherheitslücke in der View-As Funktion ausspioniert wurden, mit deren Hilfe Facebook Nutzer ihr Profil aus der Sicht anderer Personen betrachten können. Bei beiden Skandalen handelt es sich jedoch nicht um eine aktive Straftat Facebooks. Nicht Facebook selbst verkaufte die Nutzerdaten an die britische Datenerhebungs Firma Cambridge Analytics, sondern Psychologie-Professor Aleksander Kogan, der mit der Zustimmung von Facebook und unter Einwilligung der Teilnehmenden Nutzer Daten für eine seiner wissenschaftlichen Studien erhoben hatte. Als Facebook von dem Verkauf erfuhr, forderte das soziale Netzwerk Cambridge Analytics dazu auf, die erworbenen Daten zu löschen, was allerdings, wie erst später bekannt wurde, nicht geschah. Im Falle des jüngsten Skandals um die View-As Funktion wurde Facbook Opfer eines Hacker Angriffs. Die schnelle und transparente Publikmachung des Problems und Facebooks prompte Reaktion mit einem Sicherheits Log-Out eventuell betroffener User wurde als positiv und Verbesserung in der Handhabung von Skandalen angesehen, nachdem im Rahmen des Cambridge Analytics Vorfalls der Internet Riese noch die meiste Verantwortung von sich schob. Generell ist zu bedenken, dass Facebook ein Prototyp ist, ein Vorreiter seiner Art, der auf keine bereits existierenden Erfahrungen aufbauen kann und diese erst selbst machen muss.

Überraschender Zahlen: Facebook bekrabbelt sich

Doch wer glaubt, dass Facebook nach den Skandalen des vergangenen Jahrs nun endgültig auf dem absteigenden Ast ist, irrt sich gewaltig. Tatsächlich verzeichnet der soziale Netzwerk Riese in letzter Zeit wieder deutlichen Nutzerzuwachs – und das auch in Deutschland. Während hierzulande im Juni 2017 noch rund 30 Millionen aktive Facebook Nutzer gezählt wurden, ist die Zahl inzwischen auf 32 Millionen angestiegen (Stand November 2018). 2013 waren es erst 25 Millionen. Eine aktuelle Studie aus dem Juni 2018 belegt, dass gerade in Deutschland Facebook nach wie vor als eine der Haupt Nachrichtenquellen dient. Während in den USA der prozentuale Anteil der Befragten, die Facebook als primäre Informationsquelle nutzen, von 45% auf 38% einbrach, fiel er in Deutschland lediglich von 25% auf 24% ¹. Wichtig zu erwähnen ist hierbei jedoch, dass gerade junge Leute Facebook den klassischen Printmedien vorziehen. Etwa ein Drittel der 14-29 Jährigen bezieht seine Informationen über Social Media. Ausschlaggebend ist hier vor allem die Aktualität der Neuigkeiten, die über Hashtags in Echtzeit mitgelesen werden können.² Fakt ist jedoch, dass eine deutliche Bewegung von der aktiven hin zur passiven Facebook Nutzung zu erkennen ist. Bereits 2014 zeichnete sich der Trend dahingehend ab, dass Facebook User zu Beobachtern werden, die aus Angst vor Datenmissbrauch kein eigenes Content wie persönliche Bilder etc. mehr hochladen. Es ist eine Entwicklung vom Produzenten zum Konsumenten. Man nennt passive Nutzer sozialer Netzwerke auch “Lurker”, ein Begriff der sich von dem englischen Verb “to lurk” (“beobachten”) ableitet.

Aktive Präsenz in Zeiten der Passivität auf Facebook

Aus den jüngsten Entwicklungen lässt sich ein eindeutiges Fazit ziehen: Facebook ist keineswegs Geschichte. Tatsächlich ist es für Unternehmen wichtiger denn je. Nachdem Privatnutzer aufgrund der Datenschutzskandale eine passivere Beobachterrolle eingenommen haben, ist es besonders wichtig, sie dort zu beschallen, wo sie unterwegs sind, um bereitwillig Informationen und Nachrichten zu konsumieren. Nutzer möchten auf Facebook vor allem eines: unterhalten werden. Da sie diese Aufgabe größtenteils nicht mehr selbst übernehmen, ist kreativer Content von Unternehmen umso gefragter. Näheres hierzu findet sich in unserem Blog über Storytelling und auch in Zukunft werden wir mehr relevante Beiträge zu Facebook und dem richtigen Auftritt dort veröffentlichen.

¹https://de.statista.com/infografik/14263/nutzung-von-facebook-als-nachrichtenquelle/
² https://www.ihk-emden.de/Jeder-Fuenfte-nutzt-soziale-Netzwerke-als-Nachrichtenquelle/2974202